Chemikalien-Schutzanzug, Arbeiten am Limit

Es gibt im Leben eines Feuerwehrmitgliedes angenehme Aufgaben, es gibt aber auch Dinge, auf die viele Kameradinnen und Kameraden gerne verzichten würden. Eine solche Angelegenheit ist das Tragen eines Chemikalienschutzanzuges (kurz CSA). Das Arbeiten unter einem CSA erfordert eine besondere Fitness und Ausdauer, da man in diesen Anzügen schnell an seine körperlichen Grenzen kommt. Ist der dicke Reißverschluss ersteinmal verschlossen, befindet man sich in einem eigenen, kleinen Kosmos. Denn die besondere Haut des Anzuges hält so manchen ätzenden Stoff, zumindest auf eine begrenzte Zeit ab, ist gasundurchlässig und sehr robust. Im Inneren des Anzuges trägt der Feuerwehrmann oder die Feuerwehrfrau ein Atemschutzgerät mit Maske, was die maximale Arbeitszeit im Gefahrenbereich auf 20 bis 25 Minuten begrenzt. Denn um eine Gefährdung für sich selbst und andere Menschen auszuschliessen muss sich der Träger einer gründlichen Desinfektion mit einer Dauer von bis zu 20 Minuten nach getaner Arbeit unterziehen. Diese, zum Glück kurze Arbeitszeit, reicht jedoch den Meisten, denn man ist danach schweißgebadet und völlig erschöpft. Da in dem Anzug kein Luftaustausch statt findet, bildet sich recht schnell Stauwärme, die vor allem im Sommer ungeübten Kameraden schnell Kreislaufprobleme bereiten kann. Nach dem Einsatz trinkt fast Jeder einen Liter Wasser auf ex, so groß ist der Verlust des Flüssigkeitshaushaltes. 

Da die Feuerwehr Bargteheide eine Wehr mit sogenannter "erweiterter Gefahrgutausrüstung" ist, kann Sie sowohl Einsätze dieser Art selber abarbeiten oder unterstützt den Löschzug-Gefahrgut des Kreises Stormarn bei Bedarf. Diverse Geräte für den atomaren, chemischen und biologischen Einsatzbereich hält die Bargteheider Feuerwehr vor. Unter anderem auch vier CSA. Jeder Atemschutzgeräteträger muss zusätzlich zu den normalen Bedingungen mindestens einmal im Jahr bei einer Übung den CSA tragen und darunter arbeiten, um auch im Einsatzfall eingesetzt werden zu können. Dies ist natürlich freiwillig, da nicht Jeder in dem Anzug arbeiten kann. Es gibt nur ein Einheitsmaß von maximal zwei Meter Körpergröße und einer Schuhgröße von 45. Kleinere Leute tragen dann schon mal bis drei Paar Socken und schlaggern durch die Gegend. Menschen über zwei Meter bekommen den Anzug kaum noch zu. Es sind immer jeweils zwei Kameraden nötig, um den Anzug mit anzuziehen und um wieder herauszukommen.

Beim Übungsdienst bilden die Gruppenführer des LF 16 das Thema Gefahrgut aus und schulen somit auch den Umgang mit dem Anzug. An diesem Mittwoch abend war es also mal wieder so weit, eine CSA-Übung stand auf dem Dienstplan. Der Einsatzbefehl lautete: "ausgelöster Gasmelder in einem Bargteheider Industriebetrieb, der Betriebsleiter weist vor Ort ein, Gebäude ist evakuiert". Mit diesen Informationen machten sich die Kameradinnnen und Kameraden von der Wache aus auf den Weg zum Übungsobjekt. Vor Ort wurde ein Trupp ausgerüstet. Noch während Dies geschah, meldete der Betriebsleiter plötzlich panisch einen Mitarbeiter als vermisst. Doch Hektik ist nun fehl am Platze, denn der Anzug ist die Lebensversicherung der Kameradinnen und Kameraden. Nachdem die beiden Träger, Henning und Tanja, komplett ausgerüstet und verschlossen wurden und eine Verständigungsprobe über Funk erfolgte, gingen Sie zur Erkundung und Menschenrettung in das Gebäude vor. Der ausgelöste Melder befand sich im 2. Untergeschoss, welches über Eisenwendeltreppen zu erreichen war. Im 1. Untergeschoss trafen die Beiden auf eine stark blutende und sich vor Schmerzen krümmende Person, die von einem Austritt von Salzsäure aus einem beschädigten großen Rohr erzählte. SOFORT wurde die Person nach draußen getragen und einer Notdekontamination unterzogen, dann anschließend rettungsdienstlich versorgt. Nun ging es für den Trupp zurück in den Keller zur Erkundung. Es wurde ein großer Riss an einer Rohrleitung gefunden, die von den Beiden professionell und schnell mit einem Leckagedichtkissen abgedichtet wurde. Dann wurde noch Chemiebindemittel ausgestreut und ein Bodenablauf abgedichtet, ehe die Träger zur Dekon-Stelle zurück kehrten. Hier konnten Sie den Anzug nach einer guten halben Stunde schwerster Arbeit und gefühlten 10x Treppe rauf und runter laufen erschöpft verlassen und hatten sich eine Pause absolut verdient, bis spätestens nächstes Jahr, wenn nichts dazwischen kommt.

Joh

Die Vorbereitungen auf den Einsatz laufen, die Träger werden ausgerüstet.
Die simulierte Leckagestelle.
Der Trupp bereitet das Leckage-Dichtkissen vor.
Die Abdichtung beginnt.
Der Bodenablauf wird verschlossen. Bindemittel steht auch schon bereit.
Nachbesprechung. Ausbilder Oli erklärt die Arbeitsschritte. Die Azubis hören gespannt zu.
Den Verletzten hat ein Rettungsassistent der Bargteheider Feuerwehr vor Ort versorgt.
Dem Patienten geht es wieder gut :-)